An(ge)dacht

Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte.
Und siehe, es war alles sehr gut.

1. Mose 1,31 (bb)

Gottes Schöpfung feiern.

So lautet die Überschrift der EKD, mit der sie Erntedank erklären.

"Gottes Schöpfung feiern."

Ich war zwar schon öfter an Erntedank im Gottesdienst, doch eine große Party habe ich dort noch nicht erlebt. Und auch anderswo habe ich noch nie Gottes Schöpfung so richtig gefeiert. Mit einer riesigen Torte, Konfettikanonen, lieben Menschen, guter Musik zum tanzen…

Wenn ich in den letzten Monaten an Gottes wunderbare Schöpfung gedacht habe, waren es eher düstere, aufwühlende Gedanken: Die Gespräche mit Felix, wie oft wir in der Woche eigentlich Fleisch essen wollen. Soll unser Kind mit Plastik- oder Stoffwindeln groß werden? Wie können wir beim Einkaufen auf Plastik oder Verpackungen verzichten? Und natürlich der Klimastreik am 20. September, bei dem ich mit vielen anderen auf die Straße gegangen bin.

Viel Zeit, in der ich mir Gottes Schöpfung angesehen habe und sie bewundert oder sogar gefeiert habe, gab es nicht. Doch die vielen Gedanken zum Umweltschutz mache ich mir ja nur, weil ich Gottes Schöpfung so wunderbar und einmalig finde. Warum nehme ich mir dann nicht viel mehr Zeit sie zu genießen, sie zu feiern?

Eine Party alleine an meinem Schreibtisch ist nicht das was ich mir vorgestellt habe, aber ich nehme mir jetzt die Zeit mit einem bewundernden Blick meine Umgebung zu betrachten. Mein Büro ist wahrlich keine Schönheit, aber zumindest mögen die Spinnen es sehr. Doch wenn ich nach Draußen blicke, sehe ich die Bäume vor meinem Fenster, die langsam Orange und Rot werden und sie leuchten in der Sonne. Das niedliche Eichhörnchen flitzt schon seit Wochen fleißig hin und her und sucht etwas zu essen. Die Bauarbeiter machen gerade Pause, reden und lachen. Und wenn ich die Augen schließe könnte das Hin und Her der Autos auch Meeresrauschen sein ;)

Karen Seefeld